{"id":78,"date":"2023-02-12T11:19:48","date_gmt":"2023-02-12T11:19:48","guid":{"rendered":"https:\/\/herzhorn.imkerverein.sh\/?p=78"},"modified":"2023-03-26T16:40:35","modified_gmt":"2023-03-26T16:40:35","slug":"der-imkerverein-herzhorn-und-umgegend-von-1899","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzhorn.imkerverein.sh\/index.php\/2023\/02\/12\/der-imkerverein-herzhorn-und-umgegend-von-1899\/","title":{"rendered":"Der Imkerverein Herzhorn und Umgegend von 1899"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">von Klaus Lange und Rolf Giesenberg<\/h5>\n\n\n\n<p>\u201eWillst Du Gottes Wunder sehn, dann musst Du zu den Bienen gehn\u201c, so lautet eine alte Imkerweisheit. Diesen Weg gingen am Ende des 19. Jahrhunderts viele Menschen in Herzhorn und Umgebung. Sie lie\u00dfen sich dabei nicht von dem in der Krempermarsch gel\u00e4ufigen sp\u00f6ttischen Spruchbeeindrucken, der sagt: \u201eWer mit sien Geld witt keen Root, de leggt dat an in Imm und Schoop\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die L\u00f6sung der Imker jener Zeit hie\u00df: \u201eImkerschulung\u201c. Sie f\u00fchrte im Kreis Steinburg zur Gr\u00fcndung zahlreicher Imkervereine, zum Beispiel in Itzehoe, Wilster, Kellinghusen, Horst, Hohenaspe, Brokstedt, Hennstedt und Herzhorn. Das genaue Gr\u00fcndungsdatum des Herzhorner Imkervereins ist zurzeit nicht<br>bekannt. Aus dem vorliegenden Protokollbuch ist zu entnehmen, dass am 17.10.1999 das hundertj\u00e4hrige Stiftungsfest gefeiert wurde. Die Angaben im Heimatbuch des Kreises Steinburg im Band 1, Seite 148, deuten als Gr\u00fcndungszeitpunkte eher auf die Jahre 1898 oder 1897 hin.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Im Kreis Steinburg gab es nach einer Sch\u00e4tzung um 1920 etwa 540 Imker, von denen 377 in Vereinen organisiert waren.&nbsp;Die als Anlage beigef\u00fcgte \u00dcbersicht aus dem oben zitierten Heimatbuch informiert \u00fcber den Stand der Imkerei in jener Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Es gab damals rund 6300 Bienenv\u00f6lker, von denen allein 1023 in Herzhorn standen und 823 im Ortsverein gemeldet waren. 10 Bienenz\u00fcchter im Kreis Steinburg bezeichneten sich als Berufsimker. Dazu z\u00e4hlte sicherlich auch der Imker in Herzhorn, der in der Statistik als Besitzer von \u00fcber 100<br>V\u00f6lkern angegeben wird. Heutige Imkerfreunde vermuten, dass es Johann Kleinworth vom Strohdeich war.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die weit verbreitete Imkerei jener Zeit findet ihre Gr\u00fcnde sicherlich auch in den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Zucker und Brotaufstrich waren damals knapp, da bildete der Honig ein vortreffliches Nahrungsmittel. Mit der Gr\u00fcndung der Ortsvereine um die Jahrhundertwende kam es auch in der Imkerei zu Ver\u00e4nderungen hin zum Kasten- und Mobilbetrieb. Diese Bezeichnung<br>beschreibt die mobilen, beweglichen Waben gegen\u00fcber den festsitzenden Waben des Strohkorbes, der in unserer Region auch L\u00fcneburger St\u00fclper genannt wird. Dieser bildet noch heute das Sinnbild der Bienenzucht und gilt zugleich als Symbol des Sparsinnes unserer Sparkassen, wobei wir nat\u00fcrlich wissen, dass die Bienen ihren lebensnotwendigen Wintervorrat sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Berufsimker jener Zeit mussten sich neben der Imkerei auch mit der Herstellung und dem Vertrieb von Bienenh\u00e4usern, Kunstwaben und im weiteren Nebenerwerb mit Gartenbau und Kleinviehzucht besch\u00e4ftigen, weil die Schwankungen in den Honigertr\u00e4gen sehr gro\u00df sind. Die Honigmengen werden<br>stark durch das Wetter und die Bewirtschaftung der Kulturfl\u00e4chen beeinflusst. Der Durchschnittsertrag in jener Zeit wird f\u00fcr den Korb mit 12 \u2013 15 Pfund und f\u00fcr den Kastenbetrieb mit 20 \u2013 30 Pfund in der Saison angegeben. Die Imker klagten bereits damals \u00fcber die negativen Auswirkungen des Landschaftswandels. Die Feldblumen und die Wei\u00dfkleefl\u00e4chen wichen dem Pflug, genau wie die Heideareale in Horst und in Breitenburg-Nordoe. <\/p>\n\n\n\n<p>Um die fehlenden Trachten zu ersetzen, wanderten die Imker zur Bl\u00fctezeit in andere Regionen. Die Herzhorner Imker sind bis in die Sechzigerjahre in die L\u00fcneburger Heide gewandert. Zu einer Wandergruppe z\u00e4hlten August Mehrens und Hermann Kn\u00fcppel aus Herzhorn, Heinrich Sievers aus Gl\u00fcckstadt, Johannes Roggenkamp vom Herrendeich, Wilhelm Semmelhaack und Bruno Roggenkamp<br>von Gehlensiel. In der unmittelbaren Nachkriegszeit ben\u00f6tigten die Imker f\u00fcr die Nachtfahrten mit dem Lastwagen des M\u00fchlenbesitzers Haars aus Kollmar Sonderfahrerlaubnisse der britischen Besatzungsbeh\u00f6rden. Die der Herzhorner Wandergruppe zugewiesenen Trachtgebiete lagen in Langenbr\u00fcgge in unmittelbarer N\u00e4he der Demarkationslinie zwischen der DDR und der<br>Bundesrepublik. <\/p>\n\n\n\n<p>Leider liegen f\u00fcr die Imkerzeit des Herzhorner Imkervereins f\u00fcr die ersten 50 Jahre seines Bestehens keine schriftlichen Aufzeichnungen vor. Das vorhandene Protokollbuch beginnt mit der Niederschrift der Jahreshauptversammlung vom 30.04.1950 im Vereinslokal bei Ernst Behrens in Herzhorn. Vorsitzender war damals Pastor Karl Lensch aus Borsfleth, der auch gleichzeitig das Protokollbuch<br>f\u00fchrte. Seine Aufzeichnungen sind ausf\u00fchrlich und enthalten auch die Namen der teilnehmenden Vereinsmitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp;Die Versammlung wurde in froher Stimmung mit dem gemeinsam gesungenen Lied: \u201eAuf, wohlan, ihr Imkerfreunde\u201c er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Der bereits oben erw\u00e4hnte Johann Kleinworth war im Jahr 1949 vom Landesvorsitzenden zum Imkermeister h.c. (honoris causa \u2013 ehrenhalber) ernannt worden, so berichtet Pastor Lensch. Die offenbar sangesfreudigen Imker w\u00fcrdigten ihren Kollegen mit dem Singen des Liedes: \u201eDer alte Imker.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Weiter ist nachzulesen, dass 4 Jahre nach dem Krieg die Imker erstmals wieder \u00fcber ihren Honig selbst verf\u00fcgen durften. Die Geburtstagsfeier zum 50. Geburtstag des Imkervereins fand am 09.10.1949 statt. Leider gibt es keine n\u00e4heren Hinweise zum Festprogramm. Im weiteren Verlauf der<br>Versammlung gaben die erfahrenen Imker wichtige Hinweise f\u00fcr die Anf\u00e4nger. Lensch protokolliert ein Pflichtenprogramm f\u00fcr Imker. Dazu z\u00e4hlen die Fr\u00fchjahrsreizung mit Triebfutter, das Verlegen von Wachsstreifen als Bienenbr\u00fccken&nbsp;zwischen den Brut- und Honigr\u00e4umen, das richtige Honigr\u00fchren, die Nutzung einer vorschriftsm\u00e4\u00dfigen Wanderkarte und die Kenntnis \u00fcber die Steuererhebung f\u00fcr Imker. Erw\u00e4hnenswert erscheint die Anregung eines Imkers, Honigspenden f\u00fcr die Gesellschaft Schiffbr\u00fcchiger oder f\u00fcr eine Amazonasexpedition zu diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp;Das Protokoll verzeichnet f\u00fcr 1950&nbsp;71 Mitglieder, 778 Bienenv\u00f6lker und 35 teilnehmende Mitglieder. Die Aufzeichnungen zur Mitgliederversammlung am 09.02.1952 berichten von dem pl\u00f6tzlichen Tod des Vereinsvorsitzenden Pastor Carl Lensch. August Mehrens aus Herzhorn w\u00fcrdigte den Verstorbenen mit schlichten, aber vom Herzen kommenden Worten, so schreibt der Protokollant Artur Rodeck. Mehrens lobt den umsichtigen Einsatz von Carl&nbsp;Lensch, der den Verein sicher durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre gesteuert hat. August Mehrens wurde in dieser Versammlung&nbsp;zum Nachfolger gew\u00e4hlt. Intensiv wurde damals \u00fcber die Steuererstattung f\u00fcr Zucker und \u00fcber Spritzsch\u00e4den diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp;Im Jahre 1953 z\u00e4hlt der Verein noch 52 Mitglieder mit 471 V\u00f6lkern, f\u00fcr 1954 liegt die Angabe von 424 Kasten- und 28 Korbv\u00f6lkern vor. In dieser Zeit gibt es heftige Diskussionen&nbsp;\u00fcber die Bedeutung der Best\u00e4ubungst\u00e4tigkeit der Bienen. Die Mitgliederversammlung des Jahres 1957 legt nach l\u00e4ngerer Debatte den Preis f\u00fcr Honig mit 2,70 DM ohne Glas fest. Der Kreisvorsitzende Lemster aus Kellinghusen berichtet 1964 von der Ansicht vieler Imker, dass die Beuten der Imkerei zu klein sind, um wirtschaftlich imkern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>&nbsp;In den Sechzigerjahren \u00fcbernimmt zun\u00e4chst Heinrich K\u00fchl aus Herzhorn den Vorsitz, ihm folgt Heinrich Pinn. Beide bem\u00fchen sich in dieser Zeit gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern um eine Weiterentwicklung der Bienenzucht. Es gibt j\u00e4hrliche Informationsfahrten, zum Beispiel zur Imkerei des Werner Schundau bei S\u00fcderbrarup oder nach Celle in das Nieders\u00e4chsische Landesinstitut f\u00fcr Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Im Jahr 1979 betreute der Imkerverein Herzhorn noch 25 Mitglieder mit 269 V\u00f6lkern. Nachfolger von Heinrich Pinn wurde im Jahre 1983 Paul Engelbrecht. In den Protokollen der folgenden Jahre kommt zum Ausdruck, dass die etablierten Veranstaltungen guten Zuspruch finden. Dazu z\u00e4hlt die Radtour zu den bl\u00fchenden Rapsfeldern, die sich von einer Picknickfahrt zu einer fachkundigen Standschau mit wohlschmeckendem Mittagessen und herrlicher Kaffeetafel bei dem jeweiligen \u201eZielimker\u201c entwickelt hat. Diese Fahrten genie\u00dfen inzwischen nicht nur die Imker, sondern auch die Imkerfrauen, die f\u00fcr eine wohltuende Atmosph\u00e4re im Vereinsleben sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Dazu trug auch die Feier zum 100. Geburtstag des Vereins bei, die in der Gastwirtschaft \u201eZur Linde\u201c&nbsp;in Herzhorn gefeiert wurde. In den letzten 10 Jahren konnte der Verein erfreulicherweise neue Mitglieder aus Gehlensiel, Krempe, Gl\u00fcckstadt und weiteren Orten aufnehmen. Die Imker besch\u00e4ftigen sich nach wie vor mit der Betriebsweise, d.h. mit der F\u00fchrung eines Bienenvolkes durch<br>das Jahr. Dazu z\u00e4hlen zurzeit insbesondere das Starkmachen eines Volkes f\u00fcr die immer fr\u00fcher einsetzende Rapstracht, das Vermeiden des Schw\u00e4rmens, da dadurch viele Flugbienen f\u00fcr das Eintragen der Trachten fehlen. Besonders aufwendig kann auch die Bek\u00e4mpfung der Varroamilbe werden. Sie ist ein aus Indien eingeschleppter Parasit der Honigbienen. Auch die Zucht einer besonders sanftm\u00fctigen und ertragreichen Biene ist ein Thema.Vorbildlich ist die Unterst\u00fctzung durch die Fachberater der Imkerschule in Bad Segeberg.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Einen schweren Verlust musste der Verein im Jahre 2007 durch den Tod des Vorsitzenden Paul Engelbrecht hinnehmen, der seine T\u00e4tigkeit als Vorsitzender 24 Jahre lang mit Umsicht und gro\u00dfen Einsatz ausge\u00fcbt hat. Vieles war neu zu ordnen. Hinzu kam eine t\u00fcckische Bienenkrankheit, die dazu f\u00fchrte, dass der Raum um Gl\u00fcckstadt zum Sperrgebiet f\u00fcr den Bienentransport erkl\u00e4rt wurde. Bei der Bew\u00e4ltigung dieses Problems haben sich besonders Otto Carstens vom Altendeich und Lutz Herrmann aus Krempe hervorgetan. Lutz Herrmann wurde neuer Vorsitzender. Im Jahre 2009 f\u00f6rderte u. a. ein Ausflug nach Puan Klent die Verbundenheit unter den Herzhorner Imkern. Dort haben die Z\u00fcchter der Carnica-Biene eine Belegstation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Klaus Lange und Rolf Giesenberg \u201eWillst Du Gottes Wunder sehn, dann musst Du zu den Bienen gehn\u201c, so lautet eine alte Imkerweisheit. Diesen Weg gingen am Ende des 19. Jahrhunderts viele Menschen in Herzhorn und Umgebung. 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